Wiener Caféhaus
BREITE STRASSE 62

Ein Haus, das
älter ist als
der Kaffee hier.

Als das Kanzleigebäude fertig wurde, hatte in Europa noch niemand von Kaffee gehört. Fünfhundert Jahre lang wurde hier geschrieben, verhandelt und gehandelt. Erst viel später kam unsere Torten-Vitrine.

Durch das Haus gehen

Das Kanzleigebäude an der Breiten Straße in Lübeck: Staffelgiebel mit Uhr, darunter der Arkadengang.
Das Kanzleigebäude von der Breiten Straße aus. Der Arkadengang läuft am Chor der Marienkirche entlang.

540 Jahre, kurz erzählt

1277

Das Niederstadtbuch wird begonnen

Lübeck fängt an, Geschichte zu schreiben: Im Niederstadtbuch werden erstmals Verträge, Erbschaften und Streitfälle dokumentiert. Über Jahrhunderte wächst daraus eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte der Stadt. Geführt wird es später in diesem Haus.

1480
bis 1485

Das Kanzleigebäude entsteht

Dem Rathaus wird ein Kanzleiflügel angebaut, im gotischen Stil, mit einem offenen Arkadengang im Erdgeschoss. Hier sitzen die Notare und die Ratsschreiber, also die Verwaltung einer Stadt, die damals halb Nordeuropa mit Waren versorgt.

1588
und 1614

Zweimal verlängert

Das Haus wird im Stil der Backsteinrenaissance erweitert und reicht am Ende bis zur Mengstraße. So entsteht der lange Arkadengang, der sich heute noch rund fünfzig Meter am Chor der Marienkirche entlangzieht.

Radierung des Kanzleigebäudes mit dem langen Arkadengang und Pferdefuhrwerken.
Das verlängerte Haus auf einer Radierung um 1890.
bis 1818

Kürschner und Schuster unter den Bögen

In den offenen Arkaden stehen Buden. Kürschner und Schuster haben hier ihre Werkstätten und verkaufen direkt an der Straße. Genau dort, wo heute im Sommer die Tische stehen.

Der Arkadengang des Kanzleigebäudes von der Straße aus, unter den Backsteinbögen stehen die Tische des Caféhauses.
Dieselben Bögen heute, vom Markt aus gesehen.
19. Jh.

Polizeiwache mit Gefängnis

Später zieht die Polizei ein. In den Gewölben unter dem Haus wird eine kleine Arrestzelle eingerichtet, im Volksmund „Bullenstall“ genannt. Ab 1863 führen die Ratsschreiber hier weiter das Niederstadtbuch fort.

1920er
und 30er

Eine gründliche Renovierung

Das Haus wird hergerichtet. Den Fußboden gestaltet Asmus Jessen. In dieser Zeit bekommen die Räume das Gesicht, das sie bis heute haben: der Renaissance-Saal und die Kommissionsstube, der frühere Gerichtssaal.

Die Kommissionsstube mit Bleiglasfenster, dunkler Holztür und gedeckten Tischen.
Die Kommissionsstube, der frühere Gerichtssaal.
1939

Der Adlersaal bekommt seinen Namen

Peter Thienhaus malt das Gewölbe des großen Saals mit Adlermotiven aus. Sie sitzen heute noch dort oben, direkt über den Tischen. Wer im Adlersaal Kuchen isst, muss nur einmal nach oben schauen.

Gemalte Adler und eingeschriebene Jahreszahlen auf dem Kreuzgewölbe des Adlersaals.
Die Adler im Gewölbe, dazwischen die Jahreszahlen.
2008

Das Wiener Caféhaus zieht ein

Die Hamburger Unternehmerin Canan Canbek eröffnet das Wiener Caféhaus im Kanzleigebäude. Geblieben sind die Gewölbe, die Arkaden und die Idee, dass man an einem Ort einfach sitzen bleiben darf, heute mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mehr über die Gastgeberin und das Team.

Die Tortenvitrine des Wiener Caféhauses, drei Etagen mit Torten und Kuchen.
Was heute an der Stelle der Ratsschreiber steht.
Radierung des Kanzleigebäudes um 1890 mit Arkadengang, Fuhrwerk und Passanten in langen Mänteln.
Radierung, Lübeck um 1890.
Aus Respekt zur Geschichte

Denkmalgeschützt, aber kein Museum.

Das Kanzleigebäude steht unter Denkmalschutz und gehört zum Ensemble des Lübecker Rathauses. Dass darin heute Kaffee ausgeschenkt wird, ist kein Widerspruch: Häuser bleiben erhalten, wenn sie benutzt werden.

Die Gewölbe sind noch da, die Bögen auch, die Adler ebenfalls. Nur die Ratsschreiber sind gegangen und haben ihre Tische frei gemacht.

Die Räume im Einzelnen
Funde aus dem Haus

Zwei Stücke, von allen Seiten.

Zwei Fundstücke aus dem Kanzleigebäude sind dreidimensional vermessen worden, vom Architekturbüro Knesebeck. Beide Modelle lassen sich im Browser drehen, kippen und so weit heranziehen, wie man im Haus nie herankommen würde.

Beide Modelle liegen bei Sketchfab, einem Dienst für 3D-Ansichten. Die Links öffnen sich in einem neuen Fenster, erst dann werden Daten dorthin übertragen.

Geschichte zum Anfassen

Wir füllen das Lübecker Kanzleigebäude jeden Tag erneut mit Leben, mit tiefem Respekt vor seiner bewegten Historie.

Wir vereinen Tradition und Moderne.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zum Kanzleigebäude

Wie alt ist das Kanzleigebäude in Lübeck?

Der Kanzleiflügel wurde ab 1480 an das Lübecker Rathaus angebaut und 1485 fertiggestellt. 1588 und 1614 wurde er im Stil der Backsteinrenaissance bis zur Mengstraße verlängert.

Kann man den Adlersaal besichtigen?

Ja. Der Adlersaal ist ein normaler Gastraum des Wiener Caféhauses. Sie können dort einfach Platz nehmen, etwas trinken oder essen und sich die Adlermotive im Gewölbe ansehen, die Peter Thienhaus 1939 gemalt hat.

Steht das Kanzleigebäude unter Denkmalschutz?

Ja. Das Kanzleigebäude gehört zum Ensemble des Lübecker Rathauses und steht unter Denkmalschutz. Gastronomisch genutzt wird es trotzdem, seit 2008 vom Wiener Caféhaus.

Wo genau finde ich das Kanzleigebäude?

Breite Straße 62, 23552 Lübeck, direkt neben dem Rathaus. Der Arkadengang zieht sich rund fünfzig Meter am Chor der Marienkirche entlang, darunter stehen im Sommer unsere Tische.

Kann man die historischen Räume für eine Feier mieten?

Ja. Der Adlersaal fasst bis zu 100 Personen, der Renaissance-Saal bis zu 50 und die Kommissionsstube bis zu 20. Anfragen nehmen wir unter 0451 296 98 95 entgegen.